Was in diesem Zusammenhang zuerst geklärt werden muss: Welches Recht ist überhaupt anzuwenden? Dies herauszufinden ist schwerer als allgemein gedacht. Zunächst muss unterschieden werden zwischen dem prozessualen und dem materiellen Recht. Das prozessuale Recht wird in aller Regel das deutsche Recht sein, wenn eine Scheidung in Deutschland überhaupt in Frage kommt.

Die Frage des maßgeblichen materiellen Scheidungsrechts ist auch für die Rechtsexperten oft nicht einfach zu beantworten, so dass die weiteren Angaben ohne Gewähr sind. Etwas vorhersehbarer als die Lottozahlen sind unsere folgenden Beispiele dann aber doch. Allerdings werden nur einige der Grundkonstellationen aufgezeigt, sodass hier keine Ambition auf Vollständigkeit besteht und die Fälle auch nicht abschließend sind. Sollten Sie konkrete Fragen haben, dann wenden Sie sich an uns.

Besitzen beide Ehepartner weder die deutsche noch eine gemeinsame Staatsangehörigkeit und leben aber in Deutschland, so ist in der Regel deutsches Recht anwendbar. Haben beide Ehepartner die gleiche ausländische Staatsangehörigkeit, gilt das gemeinsame Heimatrecht. So werden z.B. Ehen zwischen Italienern i.d.R. nach italienischem materiellen Recht geschieden, was eine enorme Verzögerung der Scheidung nach sich zieht. Denn nach italienischem Recht muss zunächst die Trennung (separazione) vom Gericht festgestellt werden, und drei Jahre später dann die Scheidung. Dies führt zu einer langen Dauer und auch zu doppelten Kosten. Vielleicht liebäugelt der ein oder andere ja mit der deutschen Staatsbürgerschaft? Aus Scheidungsgründen sinnvoll.

Grundsätzlich ist bei Ehegatten, die keine gemeinsame Staatsangehörigkeit besitzen, das Recht des Staates einschlägig, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt haben oder während der Ehe zuletzt gehabt hatten, wenn einer von ihnen dort noch seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Der gewöhnliche Aufenthalt ist der tatsächliche regelmäßige Wohnsitz. Hat also ein spanisch-portugiesisches Ehepaar seinen Wohnsitz in Deutschland, und zieht ein Ehepartner nach der Trennung in ein anderes Land, dann gilt für die Scheidung dennoch deutsches Recht.

Lässt sich ein ausländisches Ehepaar, welches dieselbe Staatsangehörigkeit besitzt, in Deutschland scheiden, müssen die deutschen Gerichte dieses spezifische ausländische Recht anwenden. Hier muss dann im zweiten Schritt geklärt werden, welche Ansprüche den Ehegatten nach diesem Recht zustehen und wie die Scheidung in diesem Fall genau abläuft.

Dies kann höchst kompliziert sein, da je nach nationalem Recht eventuell Experten hinzugezogen werden müssen. Man denke nur an Unterhaltsansprüche geschiedener Ehegatten, die sich nach einem nationalen Recht richten. Wie Ihnen nun wahrscheinlich beim Lesen aufgefallen ist, mutet dies alles recht kompliziert an.

Da es bei den Multikulti-Ehen auch zudem immer vom Einzelfall abhängt und vom jeweiligen Heimatland der Ehepartner, welches Recht eingreift, wird der Gang zum Scheidungsanwalt wohl kaum zu vermeiden sein. Denn nur so kann Licht in den dunklen Gesetzesdschungel gebracht werden und aus vielen in Betracht kommenden Möglichkeiten das richtige Recht herausgefischt werden.